Schlagwort: Verweigerung

Culture Jamming

Für Tausende von Generationen waren Regen, Wind und die Stimmen von Tieren und Mitmenschen die einzigen Hintergrundgeräusche. Der lärmende Soundtrack der Welt hingegen erstreckt sich auf alle Lebensbereiche und ist nicht mehr dekodierbar.

Ruhe ist etwas Fremdartiges, obwohl Ruhe vielleicht gerade das ist, was man braucht. Möglicherweise ist Ruhe für einen gesunden Geist dasselbe wie klare Luft, sauberes Wasser und eine chemiefreie Ernährung für einen gesunden Körper. In einer sauberen mentalen Umwelt könnten auch unsere Stimmungsschwankungen nachlassen. Es ist heute nicht mehr leicht, Ruhe herzustellen, und auch nicht immer sinnvoll. Aber es gibt Möglichkeiten, den Abfall in der mentalen Landschaft aufzulesen. Man kann den Fernseher im Wartezimmer des Zahnarztes abdrehen und den lauten Kühlschrank loswerden. Die Stereoanlage ausschalten, den Rechner unter den Tisch stellen.

aus: Kalle Lasn, Culture Jamming, Das Manifest der Antiwerbung

orange-press.com ©: Kalle Lassn + orange press

Kalle Lasn, CULTURE JAMMING
Das Manifest der Antiwerbung

orange press verlag, 2006

ISBN 3-936086-22-2

Toom in HH-Altona

Der Toom-Markt in Hamburg-Altona
Ein Zitat aus der TOOM-Webseite:

toom – mehr als Verbrauchermarkt
Wir wollen, dass sich unsere Kunden in unseren Märkten wohl fühlen. Daher versuchen wir, allen Kunden das Einkaufen so angenehm und bequem wie möglich zu machen. Ausreichend Parkplätze, eine klare Beschilderung sowie eine Marktinformation, die all Ihren Fragen aufgeschlossen gegenübersteht, sind für uns selbstverständlich. Aber das ist noch längst nicht alles – eine spezielle Service-Tafel gibt in jedem Markt Aufschluss über unsere detaillierten Leistungen.

Aber dann am Samstag morgen um 10 Uhr: ist das angenehm?

  • Ungezählte ratternde Einkaufskarren auf Stein-Kachel-Boden
  • an allen Ecken Lautsprecherdurchsagen
  • die Lautsprecher direkt über der Waage an den Gemüse-Ständen aufgehängt, keine Ausweichmöglichkeit
  • ein kakophonisches Inferno.
  • Wer überlebt diesen Lärm? Wer hält das aus?
  • Die Kunden schieben ungerührt ihre Wagen ratternd mit Getöse durch die Hallen.
  • Ich möchte schreiend alle bisher zusammengesammelte Ware um mich werfen und herausrennen, lasse dann aber den Wagen stehen und laufe hinaus…
  • keinen Pfennig / Cent gebe ich da mehr aus!

Abhilfe:
einmal noch werde ich da hin gehen: mit einem Lautstärke-Meßgerät ausgerüstet und einem Minidisk-Recorder. Dann werde ich die Meßergebnisse der Ladenleitung um die Ohren hauen und Anzeige erstatten wegen gesundheitsschädlichem Lärm. Kümmert sich denn keine Berufsgenossenschaft um Lärmschutz für ihre Mitglieder, beispielsweise das Kassenpersonal?

Welche Bauabnahme läßt so etwas durchgehen? Welcher Architekt plant so einen Boden? Welcher Einkaufsleiter kauft solche Drahtkarren für diesen Boden?

Alles abgestumpfte, ihrer Sinne beraubte Leute.

Rigo Baladur: Der Stille Tod.

Nun gibt es ein Buch, das gut tut und böse macht:

Rigo Baladur: Der Stille Tod.

Schon der Titel, gesprochen einfach zu verstehen, beim Lesen zwingt er zum Denken. Ja, es geht nicht um den Tod, es geht darum, daß Lärm die Stille tötet.
Und der Mensch braucht nun mal Stille, um geistig arbeiten zu können.

Daß der Mensch jedoch die Stille abwürgt, nicht zuläßt, ist für den Autor Rigo Baladur ein weiteres Indiz dafür, daß der Mensch sich überlebt hat:
Der Mensch muß aufhören….

Der Mensch muß aufHören

Für mich ist dieses Buch vom Himmel gefallen. Ich finde herausgearbeitet, was mich so quält und ich werde gezwungen, mich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Abwehr reicht nicht…
Ob ich allerdings so konsequent werde, daß ich zur Notwehr schreiten werde, bin ich mir trotz der juristischen Abklärung in diesem Bande noch nicht sicher. Aber ich habe das Buch aber auch noch nicht beendet

Rigo Baladur:
Der Stille Tod
Menschheit zwischen Demenz und Dementi
Athena Verlag 2001