Mit Kindern kann man alles verkaufen

schreibt Peter Mühlbauer am 10.12.2009 in der telepolis und berichtet, daß quer durch das ganze regierte Land der Lärmschutz aufgeweicht werden soll.
Anhand des allgemein verständlichen Vorhabens, Kindergärten gegen Klagen wegen Geräuschemissionen zu schützen, versucht man die allgemeinen Lärmschutzregeln aufzuweichen.
Kinder sind plötzlich alle, auch Jugendliche, also wird man gegen deren Lärm auch nicht mehr vorgehen können.

Da steht ein bemerkenswertes Zitat:

Auf konkrete Anfrage räumt auch die rheinland-pfälzische Landesregierung ein, dass in dem Entschließungseintrag Einrichtungen für Jugendliche "mit erfasst werden". Hinsichtlich Fragen zu Klagen gegen nächtlichen Lärm weicht man aus und meint, man werde Jugendlichen "klarmachen können, dass bestimmte Tätigkeiten nachts im Freien […] nicht erlaubt sind, wenn Dritte dadurch gestört werden können." Im Umkehrschluss heißt dies, dass man den Schutz vor solchem Lärm tatsächlich wesentlich einschränken will und auf eine Vernunft hofft, die es offenbar nicht gibt. Würde es sie geben, dann gäbe es auch keine Klagen gegen Spielplätze, die zu später Stunde für lautstarke Trinkgelage genutzt werden. Kläger konnten deshalb zum Beispiel in Berlin erwirken, dass solche Einrichtungen mit einem Zaun versehen und nachts abgesperrt werden. Wird die Bundesratsinitiative ohne weitere Beschränkungen umgesetzt, dann wäre solchen Notbehelfen künftig ein Riegel vorgeschoben.

(Unterstreichung zur weiteren Hervorhebung von mir).

Anmerkung: Wieder einmal interessant ist auch die Haltung der stets bei der telepolis bereiten Kommentarpöbler, die sich wie alle Lärm-Verursacher sofort angegriffen fühlen und jeden Ruhebedürftigen abstemplen und niedermachen. Aber diese Agression der Lauten gegen die Leidenden ist ein besonderes Kapitel.

Ich bin Konsument, will aber trotzdem nicht…

Der Konsument will Musik kaufen und hören, wo immer er ist.

So zitiert die FAZ einen Vodaphone-Manager, der   die Warteschleifen-Beschallung rechtfertigt. Der Artikel endet:

Solcherart überversorgt und orientierungslos, taucht der zum besinnungslosen Konsumenten herabgewürdigte Musikhörer ein ins grenzenlose Reich der Klänge.

Ich kann mir nicht helfen, diese Artikel nennen einen erschreckenden Fakt nach dem Andern, aber sie nennen das Kind nicht beim Namen:

daß es ungesund ist, daß es respektlos ist, daß es manipuliert und daß es einfach eine Riesen-Scheiße ist!

Der Artikel ist lesenswert, aber eben konsequenzlos.

Quelle: http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~EB236ADDA9E4F4467B453F75A29B34351~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell vom 24.01.2010

„Heimatloser Lärmschutz“…

titelt Peter Mühlbauer in der Telepolis einen Artikel über Lärm und dessen politische Verortung:

In fast allen Emissionsschutzanliegen gab es seit den 1970ern Fortschritte: Die Luft ist heute praktisch überall in Deutschland sauberer als vor 30 Jahren, damals tote Gewässer beherbergen essbare Fische und wilde Müllkippen sind weitgehend verschwunden. Nur beim Lärmschutz wurde zwar manches besser – aber noch mehr deutlich schlimmer. Das zeigt sich unter anderem an den Absatzzahlen von Ohropax, die auch in der Krise beständig wachsen.

Tatsächlich ist der Lärmschutz eines der von allen politischen Parteien vernachlässigten Themen. Was möglicherweise auch daran liegt, dass der Bereich auch von den straßenfestkultur- und wohngemeinschaftsmasochismusgeprägten Grünen in seinen mit am wichtigsten Ausprägungen ausgespart wurde. Kritik an solchen Lärmformen ist in der Politik mittlerweile geradezu tabuisiert. Das zeigt sich unter anderem an den von allen politischen Gruppierungen bis hin zu den Freien Wählern bejubelten Plänen, Zivilklagen gegen Ruhestörung durch Jugendliche zu verbieten.

Liest man den Artikel, dann wird klarer, warum Lärm überall geduldet wird, aber gepeinigte Menschen zu Selbsthilfe schreiten…

Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31428/1.html vom 3.11.2009