Einschaltverweigerung

Gegen den alltäglichen LärmterrorDas Akustische Manifest!!!!!

19.03.2009: Alt-Herren-Runde im Ruhewagen morgens um 8:00

Drei ältere Herren sitzen im Tisch und unterhalten sich angeregt. So angeregt, daß der eine Herr sogar die guten Manieren vergißt und die Füße auf dem Sitz gegenüber ablegt…

als ich nicht gewillt bin, weiter dieser Unterhaltung zu folgen und die Herren um Ruhe bitte, da dies ja ein Ruhewagen sei, sind sie erstmal verdutzt.

Dann erinnert sich einer von Ihnen: 

"Ja, ich habe die Sitze im Ruhewagen gebucht. Ich wollte das Handygebabbel nicht hören."

Da schaute ich dann doch recht verdutzt. Ob dieser Logik.

13.03.2009: Buchmesse – Lärmmesse?

Zum Lesen, zum intensiven und konzentrierten Lesen, zum genußvollen und ertragreichen Lesen bedarf es wenig weiterer Sinnesseindrücke.

Musik lenkt ab, Stille verstärkt.
Da denkt man als lebenslang starker Leser doch, daß die Händler der Ware Lesestoff ebenfalls die Ruhe schätzen.
Aber nein. wie man in der Süddeutschen lesen muss, inzwischen ist auch die Leipziger Buchmesse auf den Lärm-Zug aufgesprungen und beschallt alle Besucher, Einkäufer, Leser so sehr, daß ihnen Hören und Sehen vergeht.

Warum? Trauen sie der eigenen Ware nicht mehr? Können Sie nur lärmgestörte Verkaufsgespräche führen?
Sie können doch wohl nicht glauben, daß dadurch Geschäfte intensiviert werden?
 

08.03.2009: Noise Pollution

ein Indiz für mich, wie sehr dieses Phänomen immer noch, gezielt oder aus Dummheit und Abgestumpftheit, herabgewertet wird, ist die Trefferliste zu diesem Suchbegriff bei Amazon

Die ersten Plätze nehmen CDs ein, Punk oder was auch immer , auch Heavy Metal, und alle kokettieren sie damit, daß sie irgendwann mal taub sind und uns auf der Tasche liegen werden.

 

Ach ja:

Noise is sound without Value

 

08.03.2009: Der Lärm unter Wasser und die Wale

Da kommt wieder so eine Meldung über gestrandete Wale, und nur die erschreckend hohe Anzahl der toten Tiere (und vielleicht die damit verbundene Beseitigungslogistik) läßt uns aufmerken: 140 tote Riesensäuger…

Es kommt mir ein Artikel aus der Telepolis wieder in den Sinn, die ich mir gemerkt hatte: Die Meere werden lauter.
Der Artikel strotzt zwar vor wissenschaftlichen Fehlern, zeigt aber trotzdem die ungeheuren Auswirkungen der Lärmverschmutzung unter Wasser auf.
Die letztendlich die Wale das Leben kostet.

Hier ein paar Links zu der Thematik:

 

04.03.2009: Futuristisches Manifest <-> Akustisches Manifest

Vor hundert Jahren erschien das Futuristische Manifest und es verherrlichte den Lärm, die Energie, die Geschwindigkeit und führte geradewegs in die Hölle, nämlich den Faschismus. (Das wissen wir, das haben wir verstanden und wer es nicht weiß, kann es hier bei der Einschaltverweigerung lesen oder Genaueres bei wikipedia  herausfinden).

Nun gibt es ein Akutisches Manifest, geplant als Provokationsmittel, um öffentliche Aufmerksamkeit für einen bestimmten Themenkomplex zu erzeugen, herausgegeben von dem verdienstvollen Peter Androsch, Leiter der Musik-Abteilung der Kulturhauptstadt Linz. Siehe auch hier bei Einschaltverweigerung.

Leider ist das Akustische Manifest, welches 100 Jahre nach dem futuristischen ebenfalls im FIGARO erschien, im Netz nicht mehr gescheit aufzufinden. Leider.

Bei der FAZ, wo es ebenfalls erschien, gar nicht, und der österreiche Standard veröffentlicht zwar einen Artikel darüber, zeigt aber das Manifest nur als GIF-Datei.
 

Das finde ich ausgesprochen schade. Ein Manifest, so habe ich gelernt, ist eine öffentliche Erklärung und sucht alle Mittel der Verbreitung. Warum dieses Manifest nicht? 

Ich werde Herrn Androsch mal anschreiben und um Wiedergabe-Erlaubnis bitten.


Die Frankfurter Rundschau veröffentlicht heute am 03.03.09 ein Interview mit Peter Androsch. Darin führt er in Hinblick auf die Notwendigkeit einer akustischen Stadtplanung aus:

 

Akustische Unsensibilität ist ein uraltes Problem.