Einschaltverweigerung

Gegen den alltäglichen LärmterrorDas Akustische Manifest!!!!!

18.04.2003: Newski Express

Akustisches Inferno im Newski Express

Newski ExpressSt. Petersburg < -> Moskau in fünf Stunden

Und dann sitze ich im Zug.
Zu meinem Erstaunen erste Klasse.
Der ganze Zug "Newski Express" ist nur erste Klasse.
Und jeder Sitzplatz im Abteil hat einen eigenen Lautsprecher, der das ganze Coupe beschallen kann und der auch das Werbe-Programm wie der Lautsprecher im Korridor abplärrt.

Und gleich muss ich mich wehren.
Und es gibt zwei Fernseher. Oben auf der Hut-Ablage.
Links und rechts vom Fernseher sind Spiegel angebracht.
Darin kann man das Programm des zweiten Fernsehers verfolgen, spiegelverkehrt, das man sonst ja nicht sehen könnte.

Was hat sich in den letzten 10 Jahren verändert?
Der Zug ist neu.
Das Haus am Bahnsteig ist neu.
Alle haben ein Mobiltelefon.
Im Zugkorridor schallt das Radio wie in alten Zeiten, jetzt aber technisch perfektioniert, durch die Lautsprecher im Korridor und im Abteil.
Und jetzt weiß ich auch, warum da zwei Spiegel sind: man kann auf einen Monitor schauen und den anderen im Spiegel auch.
2 Filme und 6 Radio-Lautsprecher = 1. Klasse

Jetzt werden Ohrhörer verteilt und es zischt aus allen Ohren.
Und überall bimmeln die Telefone.
Und 40 Rubel kostet das Mineralwasser, Borjomi, das sind rund 1,60 €, das ist viel.

kein Film im TV plötzlich, also lesen
jeder russische Reisende hat ein Buch dabei
sie konzentrieren sich aber nicht, nach jedem Satz schauen sie hoch auf den Monitor, ein dressierter Blick, in Bereitschaft, sofort das Gelesene sein zu lassen und wieder passiv zu konsumieren, zu glotzen

was lasen sie? Harry Potter, Agatha Christie
aber der Monitor verspricht das Heil

01.04.2003: Rigo Baladur: Der Stille Tod.

Nun gibt es ein Buch, das gut tut und böse macht:

Rigo Baladur: Der Stille Tod.

Schon der Titel, gesprochen einfach zu verstehen, beim Lesen zwingt er zum Denken. Ja, es geht nicht um den Tod, es geht darum, daß Lärm die Stille tötet.
Und der Mensch braucht nun mal Stille, um geistig arbeiten zu können.

Daß der Mensch jedoch die Stille abwürgt, nicht zuläßt, ist für den Autor Rigo Baladur ein weiteres Indiz dafür, daß der Mensch sich überlebt hat:
Der Mensch muß aufhören….

Der Mensch muß aufHören

Für mich ist dieses Buch vom Himmel gefallen. Ich finde herausgearbeitet, was mich so quält und ich werde gezwungen, mich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Abwehr reicht nicht…
Ob ich allerdings so konsequent werde, daß ich zur Notwehr schreiten werde, bin ich mir trotz der juristischen Abklärung in diesem Bande noch nicht sicher. Aber ich habe das Buch aber auch noch nicht beendet

Rigo Baladur:
Der Stille Tod
Menschheit zwischen Demenz und Dementi
Athena Verlag 2001

01.09.2002: Lärm, Lärm, Lärm

Ich leide immer stärker unter Lärm, es ist aber nicht nur der ‘unvermeidliche’, betriebsbedingte Lärm, der mich trifft, vielmehr verletzt mich der Lärm aus Gedankenlosigkeit und Abstumpfung…

Weist man jemanden auf den durch ihn verursachten Lärm hin, antwortet er sofort:

  • aber die anderen sind auch laut
  • xyz ist auch laut

es wird nicht unterschieden zwischen betriebsbedingtem Lärm und unnötigem Lärm

  • muß man es so machen wie die Anderen?
  • niemand äußert sich über sich selbst, verweist nur auf Andere
  • daß Lärm Umweltverschmutzung ist, wird kollektiv geleugnet

Und die oft genannten Ansprechpartner erweisen sich als überaus inkompetent (beispielsweise die Person am Lärmtelefon der Freien und Hansestadt Hamburg, mit der ich sprach)

oder sie antworten einfach nicht, beispielsweise der Umweltschutzbeauftragte des Hotel- und Gaststättenverbandes Berlin oder war es der Umweltarbeitskreis?

19.01.2002: Die netten Restaurants

in der schönen Altstadt Malmös

sie meinen, Lautsprecher auf die Straße richten zu müssen.

Sie erzeugen so schon Abwehr, bevor man die Speisenkarte gelesen und die Preise wahrgenommen hat…

 

10.01.2002: Informationen und Ansprechpartner

Wer sich beschweren will, muss wissen, wer zuständig ist

Das Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) soll die Menschen vor "erheblichen Nachteilen und Belästigungen" schützen. Was konkret zumutbar ist, ist darin nicht geregelt. Obwohl es kein allgemein gültiges Lärmgesetz gibt, haben die Bürger Möglichkeiten, sich gegen störenden Lärm zu wehren. Im privaten Bereich ist zuerst die Ortspolizei zuständig, der nächste Schritt ist das Zivilrecht. Etwa 90 Prozent aller nachbarschaftlichen Streitfälle, so schätzt man, wären bei etwas gutem Willen ohne Gericht zu schlichten. Wann und wie laut ein Rasenmäher laufen darf, ist in einer speziellen Verordnung fest gelegt. Ähnliches gilt für Sport- und Freizeitlärm, Sportanlagen unterliegen außerdem dem Verwaltungsrecht. Wer sich durch Gewerbelärm gestört fühlt, sollte das Gewerbeaufsichtsamt einschalten.

Bei unerträglichem Fluglärm kann man den staatlichen Fluglärmschutzbeauftragten anrufen oder sich an die Fluglärmkommission und die Landesluftfahrtbehörde (bei kleinen Landeplätzen) wenden. Die Adressen hat der jeweilige Flughafen. Für Fragen zu Flughöhe und Flugrouten ist die Deutsche Flugsicherung zuständig. Kompetente Hilfe im Sinne der Geschädigten leistet die Bundesvereinigung gegen Fluglärm. Beschwerden gegen Straßenlärm auf Autobahnen, Bundes- und Landsstraßen sind ans nächste Straßenbauamt zu richten, ansonsten an die Kreis- und Stadtverwaltung. Ansprechpartner bei der Bahn ist das Bahn-Umwelt-Zentrum, die Aufsicht obliegt dem Eisenbahnbundesamt. Hilfreiche Informationen hält die Bundesvereinigung gegen Schienenlärm bereit.

 

  1.   Bahn-Umwelt-Zentrum, Schicklerstr. 5-7, 10179 Berlin, Telefon: 030-297-0
  2. Bundesministerium für Verkehr, Postfach 200100, 53170 Bonn, Bürgertelefon: 0228-300-0
  3. Bundesvereinigung gegen Fluglärm, Westendstr. 26, 64546 Mörfelden-Walldorf, Telefon: 06105-938283, Fax: 938238
  4. Bundesvereinigung gegen Schienenlärm, Heuerstr. 12, 30579 Hannover, Telefon: 0511-836463, Fax: 8386072
  5. Deutsche Gesellschaft für Akustik, c/o Universität Oldenburg, Dr. Brigitte Schulte-Fortkamp, Telefon: 0441-798-3575, Fax: 798-3572
  6. Deutscher Arbeitsring für Lärmbekämpfung (DAL), Frankenstr. 25, 40476 Düsseldorf, Telefon: 0211-488499, Fax: 442634; Internet: www.dalaerm.de. Der DAL gibt eine Lärmfiebel heraus, die über gesetzliche Regelungen, Schallschutz und Möglichkeiten der Selbsthilfe bei Lärmbeschwerden informiert.

Nachtrag 2009: den Deutschen Arbeitsring für Lärmbekämpfung gibt es nicht mehr. Auf der genannten Webseite finden Sie folgende Information des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit:

Die von Ihnen gewählte Internetseite ist zur Zeit nicht erreichbar.

Der Deutsche Arbeitsring für Lärmbekämpfung e.V. (DAL) befindet sich in Liquidation. Zur Sicherung der Internetadresse ist das Bundesumweltministerium (BMU) jetzt Inhaber der Domain. Über die weitere Nutzung der Internetseite "www.dalaerm.de" wird das BMU zu gegebener Zeit entscheiden.

Für Fragen wenden Sie sich bitte an das

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Referat Öffentlichkeitsarbeit
11055 Berlin
Telefon: 030 18 305-0.