Der Lärm unter Wasser und die Wale

Da kommt wieder so eine Meldung über gestrandete Wale, und nur die erschreckend hohe Anzahl der toten Tiere (und vielleicht die damit verbundene Beseitigungslogistik) läßt uns aufmerken: 140 tote Riesensäuger…

Es kommt mir ein Artikel aus der Telepolis wieder in den Sinn, die ich mir gemerkt hatte: Die Meere werden lauter.
Der Artikel strotzt zwar vor wissenschaftlichen Fehlern, zeigt aber trotzdem die ungeheuren Auswirkungen der Lärmverschmutzung unter Wasser auf.
Die letztendlich die Wale das Leben kostet.

Hier ein paar Links zu der Thematik:

  • Tagesschau: 200 Delfine und Wale in Australien gestrandet
  • Der Artikel in der Telepolis: Klimawandel: Die Meere werden lauter
  • Die Korrektur des Telepolis-Artikels: Enttäuschende journalistische Leistung
  • MBARI News Release: Cranking up the volume—Sounds travel farther underwater as world's oceans become more acidic
    CO2 hat also auch Auswirkungen auf die Lärmverschmutzung
  • und noch ein Artikel bei Telepolis: Blubbernde Lärmschutzwände
    Schweinswale, Robben und andere Säugetiere, die das Meer bevölkern, könnten künftig erheblich unter dem Baulärm der Windanlagen leiden.
    Naturschützer fordern Vorsichtsmaßnahmen

Futuristisches Manifest <-> Akustisches Manifest

Vor hundert Jahren erschien das Futuristische Manifest und es verherrlichte den Lärm, die Energie, die Geschwindigkeit und führte geradewegs in die Hölle, nämlich den Faschismus. (Das wissen wir, das haben wir verstanden und wer es nicht weiß, kann es hier bei der Einschaltverweigerung lesen oder Genaueres bei wikipedia  herausfinden).

Nun gibt es ein Akutisches Manifest, geplant als Provokationsmittel, um öffentliche Aufmerksamkeit für einen bestimmten Themenkomplex zu erzeugen, herausgegeben von dem verdienstvollen Peter Androsch, Leiter der Musik-Abteilung der Kulturhauptstadt Linz. Siehe auch hier bei Einschaltverweigerung.

Leider ist das Akustische Manifest, welches 100 Jahre nach dem futuristischen ebenfalls im FIGARO erschien, im Netz nicht mehr gescheit aufzufinden. Leider.

Bei der FAZ, wo es ebenfalls erschien, gar nicht, und der österreiche Standard veröffentlicht zwar einen Artikel darüber, zeigt aber das Manifest nur als GIF-Datei.
 

Das finde ich ausgesprochen schade. Ein Manifest, so habe ich gelernt, ist eine öffentliche Erklärung und sucht alle Mittel der Verbreitung. Warum dieses Manifest nicht? 

Ich werde Herrn Androsch mal anschreiben und um Wiedergabe-Erlaubnis bitten.


Die Frankfurter Rundschau veröffentlicht heute am 03.03.09 ein Interview mit Peter Androsch. Darin führt er in Hinblick auf die Notwendigkeit einer akustischen Stadtplanung aus:

 

Akustische Unsensibilität ist ein uraltes Problem.

bei Beerdigungen, Hochzeiten und auch im Bus…

die Menschen telefonieren heute überall und nerven damit auch überall.

Daß aber einer Umfrage zufolge 6% der Befragten auch bei Beerdigungen telefonieren oder telefonieren würden, hätte ich nicht gedacht.

In dem Artikel "Rücksichtslosigkeit von Handy-Nutzern"  wird Frau Seute, eine Sprecherin eines Mobilfunkproviders zitiert:

Darüber, in welchen Situationen eine Handynutzung eher unpassend ist, gebe es allerdings sehr unterschiedliche Auffassungen. Eine Beerdigung, während der laut Microsoft-Studie rund sechs Prozent der Befragten ihr Handy nutzen würden, sei für Seute allerdings ein eindeutiges Beispiel für eine ungeeignete Situation. "Eine Beerdigung erachte ich persönlich als extrem unpassend. Zurückhaltung in der Handynutzung sollte hier Pflicht sein", betont Seutet. Ein bekanntes Problem sei zudem das zu laute Telefonieren in öffentlichen Verkehrsmitteln. "Ich habe es bereits öfters erlebt, dass ich im Zug sitze und jemand in meiner Nähe in penetranter Lautstärke telefoniert. Für die Mitfahrenden ist dies zumeist sehr störend, sie haben aber kaum die Möglichkeit, sich dieser Belästigung zu entziehen", schildert Seute.

Die Dame ist nicht allein. Aber Ihre Firma verdient gut an diesen Nutzern.

 

Wieder mal beschimpft worden…

die einfache Bitte an den jungen Mann, der einen Ohrhörer quasi als Lautsprecher aus dem Kragen hängen ließ, "Können Sie das bitte leiser stellen" , veranlaßte diesen, in eine wüste Schimpfkanonade auszubrechen.

Inhalt: "Ich hör das und DU kannst ja weghören oder aussteigen".

Interessant auch wieder die Reaktion der Mitmenschen / Mitfahrer: alle schauten gequält, keiner wies den jungen Mann zurecht, einer sagte ihm beim Aussteigen leicht über die Schulter "Ist aber wirklich laut"…

Sind wir alle selbst schuld an dem fehlenden Respekt Anderen gegenüber? 
Ich kenne aus anderen Ländern, daß sich nicht alle wegducken, sondern sich schlecht benehmende Kids (sind leider ja nicht nur Kids) laut, deutlich und bestimmt zurechtweisen.

Bei uns traut sich keiner. DasToleranz-Gebot wird zum Leidens-Gebot.
 

Selbstschutz? Tatsächlich?

 

Da berichtet der STERN   über eine Studie, die herausgefunden haben will,

  • daß die Ohren bei Lärm die Empfindlichkeit drosseln,
  • daß Signale von Nervenzellen an Haarzellen im Innenohr weitergeleitet werden und dass man dies manipulieren könne, sodaß weniger aktive Haarzellen das Ohr schützen
  • daß ein Protein für diese Desensibilisierung der Haarzellen zuständig sei
  • daß man nun also nach Medikamenten suchen könne, die diese Haarzellen, welche Schallwellen in elektrische Impulse umwandeln, "lahmlegen"

Wird da nicht wieder einmal das Pferd von hinten aufgezäumt?

Wie krank ist diese Denkweise?

Da wird zum Einen suggeriert, daß das Ohr sich wirklich selbst schützen könne UND daß man, wenn doch nicht, mit ein wenig Medizin nachhelfen könne.
Mixt man den jungen Leuten halt ein wenig Pulver ins Extasy-Gemisch, bevor sie in die Disko gehen und Baustellen-Anwohnern verteilt man die "Hörschutz-Pille" vom Bauamt..

Dieser angebliche Schutzmechanismus des Ohres ist ja nun bewiesenermaßen nicht ausreichend.
Wo kommen sonst die vielen Hörschäden bei Jugendlichen her?

Wenn man das ganze Ohr lahmlegt, hören die jungen Leute nach dem Disco-Besuch auch den Crash nicht mehr, wenn sie gegen den Baum fahren….

Wird da nicht wieder an den Symptomen herumgedoktert statt sich der Ursache zu stellen?

Mit einer solchen Argumentation hat man immer schon drängende Probleme heruntergeredet.
Sollen sich doch die Opfer schützen.
Bekanntlich wollte man ja auch schon die Zahl der Vergewaltigungen reduzieren, indem man den Frauen das Ausgehen verbot…

PS: Das Bild, welches zur Illustration herangezogen wurde, sieht mir verdächtig nach Barack Obamas Ohr aus, das kommt davon, wenn man Volontäre an die Bilddatenbank läßt….