01.06.2006: Das Ohr an sich

Peter Bamm:
Tätig ist man immer mit einem gewissen Lärm. Wirken geht in der Stille vor sich.
Kurt Tucholsky:
Es gibt vielerlei Lärm. Aber es gibt nur eine Stille.
Schopenhauer:
In Deutschland ist es, als ob es ordentlich darauf angelegt wäre, daß, vor Lärm, niemand zur Besinnung kommen solle.
Evelyn Waugh:
Die Menschen machen so viel Lärm, weil sie die Stille fürchten, denn Stille bedeutet Selbstgespräch, Selbsterkenntnis, Selbstkritik.
ich suche im WWW nach Literatur über Lärm
und es blendet sich ein Banner ein:
Gratis: Klingeltöne und Logos für Ihr Handy
ebenso absurd ist, daß es anscheinend ein Marktlücke gibt:
Klingeltöne für Handys…
da streiten sich die Verwertungsgesellschaften um die richtige Abgeltung
da listen die Internet-Zeitungen reihenweise Links auf, wo man solche Töne erhält
da werden Downloadzeiten und Kosten warentestmäßig verglichen, um dem jungen (es geht ja wohl um die jungen) Konsumenten zu rüsten und umfassend zu informieren…
ja haben die nur Heu im Hirn?????
in welcher Welt leben wir denn?
August Schick ist Psychologie- Professor an der Universität Oldenburg und seit 28 Jahren in der Lärmforschung tätig. Mit SPIEGEL ONLINE sprach er über vibrierende Deutsche, in der Lärmlast vereinte Europäer und Kinder, die sich nur noch per Kopfhörer vor Krach schützen können.
Der Mensch hat sicherlich die Fähigkeit, sich subjektiv an Geräusche zu gewöhnen. Bestimmte körperliche Funktionen assimilieren allerdings nicht. Nehmen sie den Schlaf: Auch unter großer Lärmbelastung schlafen die Betroffenen, aber sie schlafen generell leichter und schlechter, nehmen das jedoch irgendwann nicht mehr wahr. Ich vermute, dass eine chronische Belastung im Allgemeinen schlimmer ist. Viele Anwohner des Frankfurter Flughafens haben Einschlafschwierigkeiten, weil jede Viertelstunde ein Flugzeug über sie hinwegdonnert. Diese Menschen fühlen sich zudem der Belästigung hilflos ausgeliefert, das raubt auch langfristig eine Menge Energie.
das ganze Interview ist auf Spiegel Online , 2003
Homepage von Prof. Dr. August Schick
Nun gibt es ein Buch, das gut tut und böse macht:
Rigo Baladur: Der Stille Tod.
Schon der Titel, gesprochen einfach zu verstehen, beim Lesen zwingt er zum Denken. Ja, es geht nicht um den Tod, es geht darum, daß Lärm die Stille tötet.
Und der Mensch braucht nun mal Stille, um geistig arbeiten zu können.
Daß der Mensch jedoch die Stille abwürgt, nicht zuläßt, ist für den Autor Rigo Baladur ein weiteres Indiz dafür, daß der Mensch sich überlebt hat:
Der Mensch muß aufhören….
Der Mensch muß aufHören
Für mich ist dieses Buch vom Himmel gefallen. Ich finde herausgearbeitet, was mich so quält und ich werde gezwungen, mich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Abwehr reicht nicht…
Ob ich allerdings so konsequent werde, daß ich zur Notwehr schreiten werde, bin ich mir trotz der juristischen Abklärung in diesem Bande noch nicht sicher. Aber ich habe das Buch aber auch noch nicht beendet
Rigo Baladur:
Der Stille Tod
Menschheit zwischen Demenz und Dementi
Athena Verlag 2001