Einschaltverweigerung

Gegen den alltäglichen LärmterrorDas Akustische Manifest!!!!!

Jahres-Archiv: 2009

13.03.2009: Buchmesse – Lärmmesse?

Zum Lesen, zum intensiven und konzentrierten Lesen, zum genußvollen und ertragreichen Lesen bedarf es wenig weiterer Sinnesseindrücke.

Musik lenkt ab, Stille verstärkt.
Da denkt man als lebenslang starker Leser doch, daß die Händler der Ware Lesestoff ebenfalls die Ruhe schätzen.
Aber nein. wie man in der Süddeutschen lesen muss, inzwischen ist auch die Leipziger Buchmesse auf den Lärm-Zug aufgesprungen und beschallt alle Besucher, Einkäufer, Leser so sehr, daß ihnen Hören und Sehen vergeht.

Warum? Trauen sie der eigenen Ware nicht mehr? Können Sie nur lärmgestörte Verkaufsgespräche führen?
Sie können doch wohl nicht glauben, daß dadurch Geschäfte intensiviert werden?
 

08.03.2009: Noise Pollution

ein Indiz für mich, wie sehr dieses Phänomen immer noch, gezielt oder aus Dummheit und Abgestumpftheit, herabgewertet wird, ist die Trefferliste zu diesem Suchbegriff bei Amazon

Die ersten Plätze nehmen CDs ein, Punk oder was auch immer , auch Heavy Metal, und alle kokettieren sie damit, daß sie irgendwann mal taub sind und uns auf der Tasche liegen werden.

 

Ach ja:

Noise is sound without Value

 

08.03.2009: Der Lärm unter Wasser und die Wale

Da kommt wieder so eine Meldung über gestrandete Wale, und nur die erschreckend hohe Anzahl der toten Tiere (und vielleicht die damit verbundene Beseitigungslogistik) läßt uns aufmerken: 140 tote Riesensäuger…

Es kommt mir ein Artikel aus der Telepolis wieder in den Sinn, die ich mir gemerkt hatte: Die Meere werden lauter.
Der Artikel strotzt zwar vor wissenschaftlichen Fehlern, zeigt aber trotzdem die ungeheuren Auswirkungen der Lärmverschmutzung unter Wasser auf.
Die letztendlich die Wale das Leben kostet.

Hier ein paar Links zu der Thematik:

  • Tagesschau: 200 Delfine und Wale in Australien gestrandet
  • Der Artikel in der Telepolis: Klimawandel: Die Meere werden lauter
  • Die Korrektur des Telepolis-Artikels: Enttäuschende journalistische Leistung
  • MBARI News Release: Cranking up the volume—Sounds travel farther underwater as world's oceans become more acidic
    CO2 hat also auch Auswirkungen auf die Lärmverschmutzung
  • und noch ein Artikel bei Telepolis: Blubbernde Lärmschutzwände
    Schweinswale, Robben und andere Säugetiere, die das Meer bevölkern, könnten künftig erheblich unter dem Baulärm der Windanlagen leiden.
    Naturschützer fordern Vorsichtsmaßnahmen

04.03.2009: Futuristisches Manifest <-> Akustisches Manifest

Vor hundert Jahren erschien das Futuristische Manifest und es verherrlichte den Lärm, die Energie, die Geschwindigkeit und führte geradewegs in die Hölle, nämlich den Faschismus. (Das wissen wir, das haben wir verstanden und wer es nicht weiß, kann es hier bei der Einschaltverweigerung lesen oder Genaueres bei wikipedia  herausfinden).

Nun gibt es ein Akutisches Manifest, geplant als Provokationsmittel, um öffentliche Aufmerksamkeit für einen bestimmten Themenkomplex zu erzeugen, herausgegeben von dem verdienstvollen Peter Androsch, Leiter der Musik-Abteilung der Kulturhauptstadt Linz. Siehe auch hier bei Einschaltverweigerung.

Leider ist das Akustische Manifest, welches 100 Jahre nach dem futuristischen ebenfalls im FIGARO erschien, im Netz nicht mehr gescheit aufzufinden. Leider.

Bei der FAZ, wo es ebenfalls erschien, gar nicht, und der österreiche Standard veröffentlicht zwar einen Artikel darüber, zeigt aber das Manifest nur als GIF-Datei.
 

Das finde ich ausgesprochen schade. Ein Manifest, so habe ich gelernt, ist eine öffentliche Erklärung und sucht alle Mittel der Verbreitung. Warum dieses Manifest nicht? 

Ich werde Herrn Androsch mal anschreiben und um Wiedergabe-Erlaubnis bitten.


Die Frankfurter Rundschau veröffentlicht heute am 03.03.09 ein Interview mit Peter Androsch. Darin führt er in Hinblick auf die Notwendigkeit einer akustischen Stadtplanung aus:

 

Akustische Unsensibilität ist ein uraltes Problem.

04.02.2009: bei Beerdigungen, Hochzeiten und auch im Bus…

die Menschen telefonieren heute überall und nerven damit auch überall.

Daß aber einer Umfrage zufolge 6% der Befragten auch bei Beerdigungen telefonieren oder telefonieren würden, hätte ich nicht gedacht.

In dem Artikel "Rücksichtslosigkeit von Handy-Nutzern"  wird Frau Seute, eine Sprecherin eines Mobilfunkproviders zitiert:

Darüber, in welchen Situationen eine Handynutzung eher unpassend ist, gebe es allerdings sehr unterschiedliche Auffassungen. Eine Beerdigung, während der laut Microsoft-Studie rund sechs Prozent der Befragten ihr Handy nutzen würden, sei für Seute allerdings ein eindeutiges Beispiel für eine ungeeignete Situation. "Eine Beerdigung erachte ich persönlich als extrem unpassend. Zurückhaltung in der Handynutzung sollte hier Pflicht sein", betont Seutet. Ein bekanntes Problem sei zudem das zu laute Telefonieren in öffentlichen Verkehrsmitteln. "Ich habe es bereits öfters erlebt, dass ich im Zug sitze und jemand in meiner Nähe in penetranter Lautstärke telefoniert. Für die Mitfahrenden ist dies zumeist sehr störend, sie haben aber kaum die Möglichkeit, sich dieser Belästigung zu entziehen", schildert Seute.

Die Dame ist nicht allein. Aber Ihre Firma verdient gut an diesen Nutzern.